Grunderwerbsteuer im engen Familienkreis

Worum geht´s?
Im Zuge der aktuellen Steuerreform wurde als Gegenfinanzierung unter anderem die Erhöhung der Grunderwerbsteuer beschlossen. Wurden dafür bisher 2% vom dreifachen Einheitswert als Berechnungsgrundlage herangezogen, soll die die Grunderwerbsteuer zukünftig auch bei Übertragungen im Familienverband (insbesondere bei Schenkung und Erbschaft) ebenfalls vom Verkehrswert berechnet werden. Dabei soll folgender Stufentarif zur Anwendung kommen:

  • Verkehrswert von EUR 0 bis 250.000 mit einem Steuersatz von 0,5%
  • Verkehrswert von EUR 250.000 bis 400.000 mit einem Steuersatz von 2,0% und
  • Verkehrswert von über EUR 400.000 mit einem Steuersatz von 3,5%

Wer ist betroffen?
All jene die ein/e Grundstück/Liegenschaft erben oder geschenkt bekommen.

Voraussetzungen und Gültigkeit
Inkrafttreten wird diese Reform erst im Jahr 2016, erste Gesetzesentwürfe sollen im Laufe Mai 2015 vorliegen – sicher ist, es wird sich etwas ändern – ebenso sicher ist, es wird dem Steuerplichtigen nicht zum Vorteil gereichen!

Wieviel ist das in Euro?
Anhand eines einfachen Beispiels soll verdeutlicht werden, wie sich diese Reform auswirken könnte.

Bei Schenkung eines/r Grundstückes/Liegenschaft an ein Kind mit einem Einheitswert von EUR 50.000 und einem Verkehrswert von EUR 500.000 beträgt die zu zahlende Grunderwerbsteuer aktuell EUR 3.000 (2% des dreifachen Einheitswertes).

Nach der Steuerreform errechnet sich die neue Grunderwerbsteuer entsprechend dem dargestellten Modell wie folgt:

  • 0,5% von EUR 250.000  = EUR 1.250
  • 2,0% von EUR 150.000 = EUR 3.000 und
  • 3,5% von EUR 100.000 = EUR 3.500

Somit beträgt die zu entrichtende Grunderwerbsteuer Insgesamt EUR 7.750 und damit mehr als doppelt soviel wie bisher!

Wie komme ich dazu/Was ist zu tun?
Unter Berücksichtigung dieser zukünftig enormen Steuerbelastung wird zu prüfen sein, ob man geplante Liegenschaftsübertragungen im Familienverband nicht doch zeitlich vorziehen sollte. Solche Übertragungen sollten dann allerdings durch z.B. Vorbehalt des Fruchtgenuss – und/oder Wohnrechts sowie Belastungs- und Veräußerungsverbote abgesichert werden.

Mein Tipp: die Weitergabe einer Immobilie im engen Familienkreis lohnt sich in diesem Jahr dann, wenn die Grunderwerbsteuer heuer geringer ausfallen würde als 2016. Das ist bei Immobilien der Fall, bei denen zwei Prozent vom dreifachen Einheitswert weniger ist als der neue Staffelprozentsatz vom Verkehrswert zusammen mit den Gutachterkosten!

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