Reverse Charge

Worum geht´s?
Die Umsatzsteuer wird grundsätzlich von dem Unternehmer geschuldet, der die Warenlieferung oder Dienstleistung erbringt. Er hat die Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen. Im Rahmen des sogenannten Reverse Charge Systems (Übergang der Steuerschuld) ist jedoch nicht der Unternehmer, der die Leistung erbringt, sondern der Leistungsempfänger Schuldner der Umsatzsteuer. Ihn trifft in diesem Fall die Verpflichtung, die Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen.

Zum Übergang der Steuerschuld kommt es nur dann, wenn die Leistung an einen Unternehmer erbracht wird. Weitere Voraussetzung für den Übergang der Steuerschuld ist, das die gegenständliche Leistung von einem ausländischen Unternehmer, der im Inland weder sein Unternehmen betreibt noch eine an der Leistungserbringung beteiligte Betriebsstätte hat, aufgrund der Leistungsortregeln in Österreich erbracht wird (§19 Abs 1 zweiter Satz Umsatzsteuergesetz 1994).

Bei Bauleistungen kommt es auch zwischen inländischen Unternehmerinnen/Unternehmern zu einem Übergang der Steuerschuld, wenn der Empfänger selbst mit der Bauleistung beauftragt wurde oder üblicherweise selbst Bauleistungen erbringt (§19 Abs 1a UStG 1994). Daneben kennt das Umsatzsteuergesetz noch weitere Fälle des Übergangs der Steuerschuld (§19 Abs 1b bis 1e UStG 1994).

Für Umsätze die nach dem 01.01.2014 getätigt werden, gibt es noch eine Erweiterung der Reverse Charge Richtlinie. Nun werden auch Lieferungen und Dienstleistungen im Sekundärrohstoffbereich mit eingeschlossen. Das Finanzministerium hat eine lange Liste von davon betroffenen Metallen herausgegeben, diese finden Sie auf der Homepage der Wirtschaftskammer. Weiters werden Lieferunge von Videospielkonsolen, Laptops und Tablet-Computern mit einem ausgewiesenen Rechnungsbetrag von mindestens EUR 5000,– dieser Regelung unterworfen.

Wer ist betroffen?
Unternehmer, die Dienstleistungen oder Werklieferungen von einem ausländischen Unternehmer beziehen.

Hinsichtlich Bauleistungen sind Unternehmer betroffen die Bauleistungen empfangen, zu deren Erbringung sie sich verpflichtet haben bzw. wenn sie üblicherweise selbst Bauleistungen erbringen.

Elektrogroßhändler und metallverarbeitende Betriebe.

Voraussetzungen und Gültigkeit
Bei der Rechnungslegung muss auf die Umkehr der Steuerschuld auf den Leistungsempfänger hingewiesen werden und der Rechnungsbetrag darf nur netto (ohne Steuer) ausgewiesen werden.

Wieviel ist das in Euro?
Im Vergleich zur „normalen“ Umsatzsteuer hat Reverse Charge eine unmittelbare Auswirkung auf die Liquidität ihres Unternehmens, da sie die 20% erst bei Fakturierung an den Endverbraucher an das Finanzamt abführen müssen. Für alle vorgelagerten Unternehmer stellt das Reverse Charge Verfahren einen reinen Durchläufer dar.

Wie komme ich dazu/Was ist zu tun?
Entweder erhalten Sie Rechnungen die dem §19 UStG unterliegen von ihrem Lieferanten oder sie erbringen selbst Leistungen die unter diese Regelung fallen und müssen ihre Rechnung entsprechend ausstellen. Bitte vergessen Sie nicht darauf diese Werte auch gesondert in Ihrer Umsatzsteuervoranmeldung zu berücksichtigen!

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