Urlaubsanspruch

Worum geht´s?
Vielleicht sind Sie schon einmal in eine Diskussion um den Urlaubsanspruch von Dienstnehmern verwickelt worden, die dann meistens mit sehr viel Emotion geführt und die verschiedenen Meinungen vertreten werden. Möglicherweise sind Sie sogar selbst davon betroffen und haben sich gefragt, wieviele Tage Urlaub Ihnen denn konkret und unter welchen Voraussetzungen wirklich zustehen. Dieser Frage wollen wir heute auf Basis der aktuellen Gesetzeslage auf den Grund gehen.

Wer ist betroffen?
Direkt betroffen sind natürlich alle Arbeiter und Angestellte als Arbeitnehmer. Der Arbeitgeber ist aber insofern ebenfalls betroffen, da alle diese Nichtarbeitszeiten in der Ressourcenplanung selbstverständlich entsprechend zu berücksichtigen sind.

Voraussetzungen und Gültigkeit
Ganz grundsätzlich beträgt der Urlaubsanspruch bei einer Dienstzeit bis zu 25 Jahren 30 Werktage pro Arbeitsjahr – bei über 25 Jahren Dienstzeit sind es dann 36 Werktage. Auf eine übliche 5-Tage-Woche gerechnet ergibt sich daraus ein Urlaubsanspruch in Höhe von 25 bzw. 30 Arbeitstagen.

Für die Berechnung der Dienszeiten sind relevant:

  • alle Vordienstzeiten beim selben Arbeitgeber werden unter der Voraussetzung angerechnet, dass Unterbrechungen die Dauer von drei Monaten nicht übersteigen
  • Vordienstzeiten bei anderen Arbeitgebern sowie Zeiten einer selbständigen Erwerbstätigkeit werden bis maximal fünf Jahre angerechnet, sofern sie mindestens sechs Monate (im Inland bzw. in einem EWR-Staat) gedauert haben und der Dienstnehmer diese nachweisen kann
  • Schulzeiten über die allgemeine Schulpflicht hinaus, z. B. der Besuch einer allgemeinbildenden höheren Schule werden mit maximal vier Jahren berücksichtigt, Hochschulzeiten werden bis zu einem Ausmaß von maximal fünf Jahren angerechnet, vorausgesetzt das Studium wurde mit Erfolg abgeschlossen!

Achtung: Zu beachten sind auch die maximalen Anrechnungsjahre bei einem Zusammentreffen mehrerer verschiedener Vordienstzeiten!

Nach herrschender Rechtsprechung ist ein Urlaubsvorgriff zulässig. In einer Entscheidung vom Jänner 2015 stellt der Oberste Gerichtshof (OGH) aber klar, dass dafür eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer notwendig ist. Eine „automatische“ Anrechnung eines „vorgezogenen“ Urlaubs auf den erst im nächsten Urlaubsjahr entstehenden Urlaubsanspruch ist laut OGH nicht möglich.

Das Urlaubsgesetz sieht nur die Übertragung von nicht verbrauchtem Urlaubsanspruch auf das nächste Urlaubsjahr vor, nicht aber den einseitigen „Übertrag“ von zu viel verbrauchten Urlaubstagen.

Wieviel ist das in Euro?
Urlaubstage werden immer dann zu Geld, wenn es zu einem Austritt kommt und nicht verbrauchter Urlaub ausbezahlt wird. In der Praxis wird danach gestrebt, die offenen Urlaubstage innerhalb der Kündigungsfrist zu konsumieren, um weitere Kosten nach Dienstaustritt zu vermeiden.

Auch für Arbeitnehmer und Angestellte hat die Urlaubsersatzleistung Auswirkungen, in dieser Zeit entsteht noch kein Anspruch auf Arbeitslosenentgelt!

Wie komme ich dazu/Was ist zu tun?
Bitte führen Sie sorgfälltige Aufzeichnungen über Ihre konsumierten Urlaubstage, idealer Weise in Form einer Urlaubskartei/eines Urlaubskalenders, den Sie regelmäßig mit Ihrem Dienstgeber abstimmen. Damit vermeiden Sie im Fall des Falles unliebsame Diskussionen und beide Parteien des jeweiligen Dienstverhältnisses haben ein gemeinsames Verständnis über bestehende Ansprüche.

Bei konkreten Fragen über die richtige Berechnung Ihres Urlaubsanspruchs wenden Sie sich bitte an die steuerliche Vertretung Ihres Vertrauens.

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