Automatische (Antragslose) Arbeitnehmerveranlagung

Worum geht´s?
Mindestens einmal jährlich setzt sich wohl zweifellos die Mehrheit von uns mit dem Thema „Finanzamt“ auseinander, spätestens bei der anstehenden Arbeitnehmerveranlagung, im Volksmund meist immer noch „Steuerausgleich genannt.
Auch in diesem Bereich kommt es durch die Steuerreform zukünftig zu Veränderungen. Es wurde die gesetzliche Grundlage für eine „antragslose Arbeitnehmerveranlagung“ geschaffen, die nur dann durchgeführt wird, wenn aufgrund der beim zuständigen Finanzamt aufliegenden Information erkennbar ist, dass beim Dienstnehmer ausschließlich Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit vorliegen und deren Höhe aufgrund der seitens Dienstgeber übermittelten Jahreslohnzettel bekannt ist.

Wer ist betroffen?
Nur Arbeitnehmer, die ausschließlich Einkünfte aus unselbständiger Tätigkeit beziehen.

Voraussetzungen und Gültigkeit
Wird vom Dienstnehmer innerhalb von 2 Jahren kein Antrag zur Arbeitnehmerveranlagung gestellt, obwohl die Aktenlage nahe legt, dass der Dienstnehmer Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen geltend machen kann, wird nach Ablauf dieser 2 Jahre eine automatische Arbeitnehmerveranlagung durchgeführt.

Diese vorgeschriebene Vorgangsweise dient ausschließlich dem Interesse der Dienstnehmer, die damit unabhängig von der Abgabe einer Arbeitnehmerveranlagung eine Steuergutschrift erhalten. Die antraglose Arbeitnehmerveranlagung startet ab der Veranlagung 2016.

Dem Dienstnehmer bleibt es unbenommen, innerhalb von 5 Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres manuell einen Antrag zur Arbeitnehmerveranlagung einzubringen. In diesem Fall wird die automatische Arbeitnehmerveranlagung ohne Notwendigkeit eines weiteren Rechtsmittels korrigiert.

Eine vorstehend beschriebene Arbeitnehmerveranlagung erfolgt jedoch nur dann, wenn sich für den Dienstnehmer eine Steuergutschrift ergibt, welche dann auch automatisch vom Finanzamt auf das Konto des Dienstnehmers überwiesen wird!

Die Pflicht zur Arbeitnehmerveranlagung bleibt bestehen, wenn mehrere Dienstverhältnisse im Kalenderjahr parallel bestanden haben.

Wieviel ist das in Euro?
Die die automatische Arbeitnehmerveranlagung ganz grundsätzlich nur bei einem positiven Ergebnis für den Steuerpflichtigen durchgeführt wird, kommt es hier immer zu einem Guthaben und niemals zu einer Zahlungsverpflichtung.

Wie komme ich dazu/Was ist zu tun?
Da die automatische Veranlagung keine Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen automatisch berücksichtigt ist dringend anzuraten, auch weiterhin alle relevanten Unterlagen sorgsam aufzubewahren und zu sammeln! Auch wenn bereits ein Guthaben errechnet wurde, empfehle ich die Arbeitnehmerveranlagung unbedingt nochmals manuell einzureichen, um auch wirklich in den vollen Genuss eventueller Steuererleichterungen zu kommen!

Automatische Meldung von Kirchenbeitrag und Spenden: Bisher wurden die Ausgaben für Kirchenbeitrag und Spenden in der Steuererklärung vom Steuerpflichtigen selbst eingetragen. Künftig müssen alle Stellen, die absetzfähige Zahlungen erhalten, diese direkt an die Finanzverwaltung übermitteln.

Diese Maßnahme soll zum einen Bürokratie abbauen, zum anderen werden damit auch unrichtige Angaben unmöglich gemacht. Um den Organisationen genug Vorlaufzeit für den automatischen Datentransfer zu geben, tritt diese Neuregelung allerdings erst ab 2017 in Kraft.

Organisationen, die den Datentransfer verweigern, werden von der Liste der begünstigten Empfänger gestrichen.

Mein Tipp: Bitte holen Sie sich auf jeden Fall Rat und Unterstützung bei entsprechenden öffentlichen Stellen bzw. einer steuerlichen Vertretung ihrer Wahl, um auch wirklich alle Besonderheiten ihrer persönlichen Umstände und möglichen Abschreibposten zu berücksichtigen! Solche Beratungskosten können Sie im Folgejahr auf jeden Fall auch wieder steuerlich absetzen!

Resümee: Eine prinzipiell tolle Angelegenheit, diese automatische Arbeitnehmerveranlagung – vor allem für alle jene, die eventuell bisher von sich aus keine gemacht haben – aber auch eine Verleitung damit zufrieden zu sein, was von Amts wegen automatisch zuerkannt wird und auf mögliche weitere Vorteile zu verzichten!

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