Keine Steuern – keine Abgaben zahlen – aber zu welchem Preis?

In der Praxis kommt es häufig vor, dass ich gefragt werde, wie viel darf ich maximal verdienen um keine Steuern bzw. Abgaben zahlen zu müssen. Es gibt hier verschiedenste Antworten – hier die gängigsten kurz erwähnt:

Um nicht Umsatzsteuerpflichtig zu werden darf der Jahresumsatz EUR 30.000 nicht übersteigen.

Lohnsteuer-/ Einkommensteuerfrei sind für alle Steuerzahler die ersten 11.000EUR Jahreseinkommen.

Um auch keine Sozialversicherung zahlen zu müssen darf die Umsatzgrenze von 30.000 EUR und die Gewinngrenze von EUR 5108,40 (Jahr 2017) nicht überstiegen werden – es fällt dann nur die Unfallversicherung in Höhe von 111,94 pro Jahr (2017) an. Achtung, die Pflichtversicherung (Kranken- und Pension) ist hier nicht gegeben, die Mindestversicherung kann entweder extra beantrag und bezahlt werden, oder aber man ist mit dem Partner mitversichert, beim AMS gemeldet oder aber hat noch ein Angestelltenverhältnis. Diese Grenze ist besonders für Kleinstunternehmer wichtig, die neben der selbständigen Tätigkeit auch noch Einkünfte aus unselbständiger Tätigkeit haben.

Im Ganzen sollte man jedoch immer das Gesamteinkommen und die daraus resultierende Steuerbelastung betrachten. Es klingt zwar gut, weder Einkommensteuer noch Sozialversicherung zahlen zu müssen, aber rechnen sie mal 5108,40:12=425,70. Mit nur 425,70 pro Monat kann man kaum Miete und Essen bezahlen und an die Erhaltung eines PKW ist gar nicht zu denken. In die Pensionskasse wird auch nichts bis nur sehr wenig einbezahlt, das wirkt sich in späterer Folge auf die Alterspension aus.

Ein kleines Gedankenbeispiel, wenn wir in der Selbständigkeit danach streben, keine Steuern, und wenn möglich auch keine Sozialversicherung zu zahlen – würden wir bei einem Vorstellungsgespräch einem möglichen neuen Chef gegenübersitzen und ihn bitten, uns so wenig wie möglich zu bezahlen, damit ja keine Steuerbelastung auf uns und somit auch auf ihn als Unternehmer zukommt? Dieses Spiel kenne ich ganz anders, in solchen Situationen wird immer versucht, so hoch wie möglich zu pokern – weil man es sich wert ist. In der Selbständigkeit haben wir das Ergebnis selbst in der Hand – aber sind wir deshalb weniger wert?

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